Nächste Woche, vom 15. bis 17. Juni, findet der G7-Gipfel in Évian-les-Bains in Frankreich statt. Unter den eingeladenen Teilnehmern: Sam Altman, CEO von OpenAI; Dario Amodei, CEO von Anthropic; und Demis Hassabis, Chef von Google DeepMind und Träger des Nobelpreises für Chemie 2024. Alle drei Unternehmen haben die Teilnahme bestätigt.
Es ist laut The Next Web das erste Mal, dass alle drei großen KI-Labore gleichzeitig beim G7 vertreten sind. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat KI zu einem zentralen Thema der diesjährigen Präsidentschaft gemacht – und die Chefs persönlich eingeladen, darunter Altman auf direkte persönliche Einladung Macrons.
Warum jetzt
Die Antwort liegt in zwei Modellen: Claude Mythos von Anthropic und GPT-5.5 Cyber von OpenAI. Beide haben in den vergangenen Wochen Regierungen und Unternehmen aufgeweckt. Daniela Amodei, Präsidentin von Anthropic, hat sich zuletzt öffentlich dazu geäußert: Mythos sei nach eigener Einschätzung sehr gut in Cyberkriegsführung. Das sind keine Worte, die Regulierer beruhigen.
Chris Lehane, OpenAIs Leiter für globale Politik, erklärte vorab, die Unternehmen würden den Gipfel mit einem Paket freiwilliger Zusagen verlassen. Jugendschutz stehe ganz oben auf der Agenda, dazu Risiken durch Cyberangriffe und biologische Bedrohungen durch Frontier-KI – also durch die leistungsfähigsten, aktuell verfügbaren KI-Systeme. Alle drei Lab-Chefs haben außerdem gemeinsam einen Brief an den Kongress unterzeichnet, in dem sie schärfere Regulierung synthetischer DNA und KI-bezogener Biorisiken fordern. Eine seltene Einigkeit unter Konkurrenten.
Das Bild hinter der Einladung
Dass Altman und Amodei gemeinsam erscheinen, hat eine Geschichte. Beim AI Impact Summit in Indien im Februar 2026 streckte Premierminister Narendra Modi beiden die Hände entgegen – Altman und Amodei hoben stattdessen die Fäuste. Der Moment ging tausendfach durch die sozialen Netzwerke. Altman sagte später, er sei schlicht verwirrt gewesen. Anthropic kommentierte ihn nicht.
Dass sie jetzt trotzdem nebeneinander sitzen werden: Es geht ums Geschäft. Beide Unternehmen haben vertraulich S-1-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht – das ist der erste formale Schritt eines Börsengangs – und bereiten sich auf zwei der größten Börsengänge der Tech-Geschichte vor. Ein kooperatives Auftreten gegenüber Regierungen ist strategisch sinnvoll. Wer als Problem behandelt wird, bekommt Probleme.
Freiwillig. Und dann?
Freiwillige Zusagen klingen gut. Manchmal sind sie es auch. Aber die Geschichte zeigt: Unternehmen regulieren sich dann wirklich, wenn sie müssen – nicht wenn sie es für richtig halten. Die Einladung an den Tisch der G7 ist kein Zeichen von Rechenschaftspflicht. Es ist ein Angebot: Seht uns als Partner, nicht als Problem.
Was mich daran wirklich beschäftigt, ist etwas anderes. KI hat den Status einer geopolitischen Technologie erreicht. Sie sitzt neben Energie und Verteidigung auf der Agenda von Staatschefs. Das ist keine Übertreibung mehr – das ist die Realität von 2026. Was in Évian konkret entschieden wird, ist ungewiss. Dass man überhaupt dort sitzt, sagt aber alles über den Weg der letzten zwei Jahre.